Identität: Peter Martin über falsche Heimatgefühle in der Werbung 

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»Von ›Preiß'n‹ bis ›Mia san Bio‹: Warum werben Firmen in München am liebsten mit kleinstaatlichem Bayernkitsch? Hört bitte endlich auf!«, schreibt Jan Stremmel in der Süddeutschen Zeitung. »Es fing an mit der Freundin aus Berlin. Sie schaute mich mit halb entsetztem Blick an und fragte: ›Was ist denn bei euch los?‹« Später kommt Jan Stremmel auf Martin et Karczisnki zu sprechen: »Peter Martin sieht das ähnlich. Er leitet eine große Münchner Markenagentur. Er ist genervt von der Plumpheit, mit der der Münchner Regionalstolz für Werbung verwurstet wird. ›Heimatverbundenheit ist ein einfaches, aber penetrantes Mittel, um Marken Identität zu verleihen‹, sagt er. ›Es wirkt in vielen Fällen einfallslos.‹
Martin hat deshalb vor ein paar Monaten eine Kampagne namens ›Mia san mehr‹ gestartet. Als Zeichen der Weltoffenheit und Toleranz hängte seine Agentur an mehrere Stellen der Stadt Plakate, die das Münchner Kindl mit Symbolen aller fünf Weltreligionen zeigen. Das ›Open Kindl‹ wurde auch als Schablone, Turnsack und Poster verkauft, die Erlöse gingen an ein Flüchtlingsprojekt.
›Wir wollten damit das Gegenteil dieses vermeintlichen Stolzes ausdrücken‹, sagt Martin. ›Wir haben nichts gegen München einzuwenden, aber es nervt, wenn Werber mit diesem Heimatgefühl hausieren gehen. Seid tolerant, bildet euch nicht so viel darauf ein, aus Bayern zu kommen! Die Welt ist groß, und es ist eine Bereicherung, wenn in München Menschen mit verschiedenen Weltanschauungen leben.‹«

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